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Wir haben den meisten Schnee



Wir haben uns auf die Suche nach dem meisten Schnee gemacht. Gefunden haben wir ihn bei Florian Leber, Skiliftbetreiber im größten deutschen Skigebiet nördlich der Alpen, dem Skikarussell Winterberg im Sauerland. Sein Hobby: Skipisten präparieren und Schnee erzeugen. Schon als Kind ist Florian Leber mit seinem Großvater im Pistenbully unterwegs gewesen. Mit 21 Jahren baute er seine erste Beschneiungsanlage. Snowplaza spricht mit dem 33jährigen über das Erzeugen von Schnee in einem der natur-schneeärmsten Skigebiete.

Kann ich in Winterberg aktuell Skifahren?



“Ja, wir haben schon seit Ende November fast durchgängig geöffnet. Wir sind im Sauerland zwar nicht mit Naturschnee gesegnet, dafür stellen wir alles selber her. Unsere Pisten im Skikarussell Winterberg sind zu 100 Prozent beschneit. Auf Grund des verregneten Wetters im Dezember konnten wir über Weihnachten allerdings nur eine Piste halten. Ich hoffe, dass es ab Mitte/Ende Januar kälter wird, und wir richtig in die Skisaison starten können.“

Sie waren der einzige Liftbetreiber im Norden Deutschlands, der über Weihnachten öffnen konnte. Wie haben Sie das gemacht?

„Ich habe vor 2 Jahren in neue Beschneiungstechnik investiert. Sie müssen sich vorstellen, dass das gesamte Skikarussell mit Pipelines durchzogen ist. Durch diese fließt unter anderem das Wasser zu den Schneekanonen. Das Wasser zu meinen Schneekanonen kommt aus einem Speicher mit Kühlturmanlage. D.h. das Wasser ist bereits auf 1,5 Grad runter gekühlt (normal sind 10 Grad). Das macht die Schnee-Erzeugung schneller und effektiver. Bei Temperaturen über 0 Grad können wir keinen Schnee produzieren. Das geht lediglich in Zermatt und auf dem Pitztaler Gletscher, wo die Snowmaker noch bei 20 Grad Außentemperatur laufen.“

“...das gesamte Skigebiet ist mit Pipelines durchzogen...”


Was leisten Ihre Schneekanonen?



„Im Skikarussell Winterberg haben wir insgesamt 250 Anlagen, die 2.500 Kubikmeter Schnee pro Stunde erzeugen können. Das sind 250 LKW-Ladungen voll!!! Damit machen wir bei minus 10 Grad das gesamte Skigebiet innerhalb von nur 36 Stunden weiß, so dass man Skifahren kann. Es wird immer kritisiert, dass Schneekanonen zu viel Strom verbrauchen und wir Energie verschwenden. Die Wahrheit ist allerdings auch, dass unsere Beschneiungsanlagen 250 Stunden pro Saison laufen. So viel Strom verbraucht ein ICE auf einer einzigen Fahrt von Berlin nach Köln.“

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag in der Hochsaison aus?

„Da kann es schon mal vorkommen, dass man gar kein Schlaf abbekommt. Halb vier ist Aufstehen angesagt, halb fünf Treffen mit den Kollegen. Dann fahren wir mit unseren Pistenbullys bis halb neun das Skigebiet ab und präparieren die Skipisten. Anschließend mache ich meinen Kontrollgang, es müssen technische Anlagen gewartet oder repariert werden, und gegen Nachmittag sitze ich im Büro und erledige den Schriftkram. Wenn wir bei Flutlicht Skifahren, kann mein Tag schon mal bis 22 Uhr dauern, und wenn es geschneit hat, bis 2 Uhr nachts, weil wir dann noch die Pisten für den nächsten Tag vorbereiten.“

“... Ich fahre lieber auf Kunstschneepisten....”


Kommen Sie selbst auch zum Skifahren?



„Ja, zwei bis dreimal die Woche. Dann aber so früh wie möglich auf den frischen Pisten, die wir selbst präpariert haben.“

Fahren Sie lieber Ski auf Kunstschnee oder Naturschnee?

„Ich muss persönlich sagen, dass ich lieber auf Kunstschneepisten fahre. Naturschneepisten sind zwar morgens besser, aber gegen Mittag bereits kaputt gefahren. Kunstschnee hält länger, und man hat länger Freude am Skifahren. Wobei die Atmosphäre mit echtem Naturschnee natürlich schöner ist, als immer diese weißen Bänder, die sich durch grüne Landschaften ziehen. Und echter Schnee ist auch günstiger [lacht].“

“...Gutes Skiwetter zum Schneemachen...”


Wo gibt es Ihrer Meinung nach den besten Schnee?



„[Lacht]. Also den meisten Schnee gibt es bei uns! Als Technikfreak muss ich aber sagen, dass das Skigebiet Sölden das Nonplusultra ist. Die haben dort einen riesigen Speicher auf über 3.000 Meter Höhe und speisen das Wasser mit Eigendruck bis zu den Schneekanonen. Pumpen sind kaum nötig, was die gesamte Anlage extrem innovativ macht. Der Schnee selbst ist allerdings der gleiche, der bei uns rauskommt.“

Was wünschen Sie sich für die Skisaison?

„Kaltes Skiwetter zum Schneemachen. Aber ich bin guter Hoffnung. Letztes Jahr sind wir auch im Januar relativ spät in die Saison gestartet. Dann wurde es plötzlich kalt, und der Winter blieb bis April. Am besten wäre es, wenn es diesmal im Januar richtig kalt wird und anschließend bis Ende März die Sonne scheint.“
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